Digitale Unabhängigkeit

work in progress. wirklich. Sowohl dieser Artikel als auch die schrittweise Umstellung.

Wie es beginnt

Eigentich hat es mich schon immer genervt. Schon mit dem Hype um Dropbox vor vielen Jahren als der ersten Anwendung und Service, bei der „Cloud“ tatsächlich für den Endanwender greifbar wurde, habe ich versucht, mit Teamdrive und Strato Hidrive andere Services aus Europa im Umfeld zu etablieren, und bin daran gescheitert. Dropbox hat sich, Stand heute, mit seiner Produktpolitik „konsolidiert“, vom Hype und praktischen Jedermann-Tool (weil kostenlos sinnvoll nutzbar) zu einem Wettbewerber unter vielen.

Und dann kam der CCC und das Känguruh

und hat es wieder nach oben auf die Agenda geschubst, mit einem wunderbaren Vortrag von Mark-Uwe Kling https://youtu.be/t8cTQnB6leI auf dem CCC. Die MÖGLICHKEIT oder das Risiko ist real geworden. Downtimes bei Amazon oder Cloudflare lähmen das halbe Internet. Die US-Regierung nimmt Individuen in Europa ins Visier, und saktioniert sie mit dem Entzug von alltäglichen Dienstleistungen. Das Risiko ist nicht mehr länger nur hypothetisch, sondern höchst real. Vielleicht NOCH nicht für mich persönlich. Aber wer weiß, was Palantir schon über mich ausspuckt, über meine Haltung zu Trump und den Entwicklungen in den USA? Also wird es Zeit, das Projekt anzugehen, um die Auswirkungen einer persönlichen oder europäischen Sanktion zu minimieren.

Mehr Informationen zur Aktion und zum Einstieg in den Umstieg finden sich auch hier https://di.day/ und hier https://www.kuketz-blog.de/. Mike Kuketz plant eine kleine Beitragsserie zum Aus- und Umstieg aus US-Bigtech, und hat einen guten und logischen Fahrplan überlegt. Im Gegensatz zu mir, ich mache mal die Dinge die mir durch den Kopf gehen, und die mir persönlich den geringsten Wiederstand erzeugen zuerst.

Was genau?

Es gibt so viele Aspekte – die Betriebssysteme, die Anwendungen und Apps, die Services, die Ablage der Daten. Die Beurteilung des Aufwands, die Einordnung eines möglichen Schadens. Ging es in den 90er Jahren in erster Linie um die Dominanz Microsofts im Office- und Betriebssystem-Markt, geht es heute um die Dominanz der „US-Bigtech“ in fast allen Marktbereichen:

  • Alphabet (Google) im Bereich Websuche, Kommunikation und Infrastruktur, Mobile, näheres beschreibe ich unter Google loswerden
  • Microsoft im Bereich Betriebsystem, Office-Anwendungen, Kommunikation und Infrastruktur; näheres beschreibe ich unter Microsoft loswerden
  • Amazon im Bereich Streaming, E-Commerce und Logistik, Infrastruktur, näheres beschreibe ich in Amazon loswerden
  • Meta (Facebook) im Bereich Social Media(Facebook und Instagram) und Kommunikation (WhatsApp)
  • Apple im Bereich Streaming, Hardware, Closed Ecosystem, Mobile
  • Und noch andere mehr: Netflix und Disney z.B, Dropbox und Cloudflare, das Adobe-Universum, Paypal, …
  • Und im Hintergrund: Zahlungsdienstleister wie SWIFT, Mastercard und VISA, selbst der vermeindlich deutsche MAESTRO Electronic Cash war eine US-Dienstleistung…
  • Infrastruktur-Hersteller wie CISCO, die ja auch häufig Wartungszugänge auf ihre Geräte haben, but ok, das ist mehr Enterprise Infrastruktur und soll nicht das Thema hier sein.
  • Und wenn es noch um andere US-Firmen geht – Autodesk (Fusion 360 und Tinkercad) könnten hier oder da im Einsatz sein, Fender (bei mir Studio One, vormals von Presonus)

Und neben der Frage der Abhängigkeit als persönliches Risiko, gibt es noch ein paar andere Faktoren: die allgemeine Enshittification der „Monopol“-Dienste, die für immer mehr Geld immer weniger leisten, die Frage ob man mit seinen Käufen offene Faschisten unterstützen will, deren Geld ja auch zu den rechtsoffenen Bewegungen in Europa zurückfließt. Auch an der Stelle ist das ein kleiner, persönlicher Beitrag diesen Finanzadel nicht weiter zu füttern. Auch wenn es natürlich individuell nur Kleinstbeträge sind. Alles zusammen haben wir Macht, diesen Unternehmen und den Eigentümern in die Suppe zu spucken. Nicht nur monetär, sondern auch in ihrer Wirkmacht. Twitter wurde nur relevant, weil es genutzt wurde. Wenn es nicht mehr von Politik und Medien genutzt wird, ist es auch nicht mehr relevant.

Betriebssysteme

Ich benutze Linux schon seit Jahrzehnten, um mal eines der populärsten Themen anzureißen. Aber in den letzten Jahren kaum noch als „Daily Driver“, in Zusammenarbeit mit den verschiedensten Kunden war Windows dann doch immer reibungsärmer. Mit der Verschiebung auf immer mehr browserbasierte Arbeitsmöglichkeiten sollte das OS darunter immer weniger eine kritische Rolle spielen. Über das Abenteuer meiner aktuellen Linux-Installation berichte ich auch: Ein aktuelles Linux Mint installieren.

Dann haben wir noch Android – das wird eine härtere Nuss. Viele Apps lassen sich nur mühsam oder gar nicht auf ent-googelten Android-Varianten betreiben. Da muss ich nicht der Pionier sein, da warte ich mal ab wie es weitergeht. Es gibt Google-freie Alternativen, allerdings ist das umfummeln auf ein Custom Rom nicht ohne Risiko, und funktioniert auch nicht für alle Telefone. da ist möglicherweise eine gezielte Auswahl des Telefons vorab sinnvoll. Und, habe ich das Gefühl, ist dort der Vereinsamungsfaktor noch wesentlich größer als bei der Nutzung von Linux statt Windows. Neben Android hat Google noch Chrome-OS im Rennen – hab ich nicht, kenn ich nicht, für mich nicht relevant.

Apple. Ist für mich ebenfalls nicht relevant. Habe ich nie genutzt – keine Geräte, keine Services, kenne ich mich nicht mit aus. Wobei ich gerüchteweise höre, dass Linux auch auf Apfel-Hardware zunehmend ein Thema wird.

Anwendungen und Services

Das wird man sehen. Microsoft Office ist in meiner persönlichen Nutzung recht einfach zu ersetzen. Aber auch bei anderen Apps auf Android kann es gut sein, zu wechseln. Viele Apps erzeugen eine Unmenge an Nutzerdaten (aka „Telemetrie“), die längst nicht nur zu Debugging und Entwicklung genutzt werden, sondern auch weiterverkauft werden. Der „kostenlose Service“ wird finanziert mit den Nutzerdaten. Auch da sind europäische Alternativen keine Unschuldslämmer, fühlen sich aber im Zweifel eher an DSGVO gebunden (bzw. können darauf festgenagelt werden).

Kommunikation: Email

Da habe ich, zugegebenermaßen, einige Jahre auf Google gesetzt. POP3-Mail starb, IMAP war noch nicht richtig da, in der Zeit waren Webmailer die überaus praktische Alternative. Die deutschen Webmailer web.de und gmx.de agierten nicht besonders vertrauenserweckend, Google schien wie eine frische Alternative. Yeah, und natürlich der Hype.

Mittlerweile ist IMAP in der Breite angekommen, es gibt keinen Grund mehr, GMail noch als Mailaggregator zu benutzen, aber ich habe dann über die Jahre doch relativ viele Dienste über meine gmail-Adresse registriert. Um dort die Passwort-Wiederherstellung nicht zu verlieren, werde ich also eine ganze Reihe von Services besuchen müssen, um die hinterlegte email zu ändern.

Kommunikation: Instant Messaging

Der große Schritt im Alltag, für die meisten Menschen, wird die Ablösung von Whatsapp sein. Für mich ist das einfach, weil ich Whatsapp im Alltag nicht genutzt habe. Waren in den Anfangstagen von Messaging die gegenseitige Kontaktbestätigung noch Vorraussetzung, war das ungefragte Abschnorcheln der kompletten Kontaktdaten für mich schon immer ein NoGo.

Bei mir ist noch in der Nutzung: Telegram und Google Chat. Und Signal und Threema. Und zunehmend wieder mehr RCS-Messages (früher: SMS). Google Chat ist in erster Linie Familie, das wird ein wenig Umzugsdiskussion brauchen. Telegram könnte ich mal eine Runde machen, die Kontakte die mir wichtig sind explizit zum Wechsel zu ermutigen.

Services und Daten

Da geht es um Mail, Kalender und Kontakte, da geht es um Messenger, da geht es um Cloud-Storage wie z.B. die Sicherung von Bildern auf dem Telefon. Aber natürlich auch Online-Dienste wie Youtube, Netflix, Amazon Streaming, andere Unterhaltungsmedien.

Dazu gehören natürlich auch „social Media“. Onlineshopping. Andere IT-Services.

Und natürlich die auch die Rückfrage bei den Dienstleistern, welche Produkte eingesetzt werden. Ein deutscher Service-Provider nutzt wenig, wenn er auf Microsoft-Produkte, Google Cloud Services oder Amazon Web Services setzt.

Unterhaltung bzw. Streamingdienste

Auch wenn der „Schaden“ im Falle einer Sanktion nicht der übelstdenkbare ist – auch bei den Streamingdiensten sollte man darüber nachdenken, ob man Amazon Prime, Netflix und Disney+ unbedingt braucht. Welche Alternativen es möglicherweise gibt. Und ob die Mediatheken von Arte, 3Sat, ZDF und ARD, und selbst die RTL und ProSiebens dieser Welt nicht Zeugs an Bildungs und Unterhaltungsprogramm bereithalten.

Beim Audiostreaming ist der Platzhirsch Spotify ausnahmsweise nicht auf der US-Liste, diverse Geschäftspraktiken des Unternehmens lassen dennoch genügend Stirnrunzeln übrig, um sich Alternativen anzuschauen.

Und natürlich ist Youtube als Unterhaltungsmedium auch dabei. Was natürlich schade ist – es gibt tolle Formate auf der Plattform. Aber man kann zumindest überlegen, ob man die Nutzung Datensparsamer gestalten kann.

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