#autokorrektur 2

Die Zukunft ist Urban

Die Menschen werden immer mehr in Ballungsräumen leben. Energetisch sind hochverdichtete Wohnräume sinnvoll, die Wege verkürzen sich, der Trend in diese Richtung ist weltweit zu beobachten. Wenn wir also über die Gestaltung von Mobilität reden, ist die urbane Mobilität der Sektor, welcher die meisten Menschen betrifft.

Das bedeutet nicht, das die Mobilität in ländlichen Lebenswelten keiner Aufmerksamkeit bedürfte, aber sie braucht andere Lösungen als urbane Mobilität. Insbesondere das „Leben im Speckgürtel“ führt ja zu einem großen Verkehrsanteil.

Lebenswerte Urbanität braucht keine Autos

Die meisten Menschen sind sich schnell einig, das Stadtviertel ohne Autos deutlich attraktiver sind als Stadtviertel mit zugeparkten Straßenrändern und dichtem Autoverkehr. Fahräder, Roller, emmisionsfreie Mikromobilität ermöglichen eine leise und hocheffektive Mobilität im Nahbereich. Gleichzeitig scheint der Trend zum Automobil, zum privat besessenen und genutzten KFZ ungebrochen zu sein, wenn man sich die Zulassungszahlen anschaut. Wie kann das sein?

KFZ-Nebenfunktionen

Neben der Mobilität gibt es zahlreiche weitere „Nebenfunktionen“, die mit Autos verknüpft werden. Das Auto ist „zu gut“ darin geworden, sich als Lebensbestandteil zu definieren. „Das Auto“ ist natürlich nicht selbst der Akteur in dieser Entwicklung, sondern eine Mischung aus vielen Einflußfaktoren. Die Autoindustrie mit einem passenden Marketing, ihrer Produktgestaltung und mächtiger Lobbyarbeit, die Stadt- und Verkehrsplanung, und natürlich die KFZ-Besitzer und Nutzer selber.

Das Anreizsystem hat nicht funktioniert – und uns geht die Zeit aus!

Einige gut gemeinte und mehr oder weniger gut gemachte Versuche, KFZ-Verkehr zu verringern, sind bislang weitgehend fehlgeschlagen. Parkplätze für Fahrgemeinschaften werden genutzt, haben aber den Verkehrsanstieg nicht kompensieren können. KFZ-Steuer als Lenkungsinstrument soll Emissionsarme Fahrzeuge fördern, hat aber den Trend zu übermotorisierten SUVs nicht aufhalten können. Lokale Aktionen zur Förderung des ÖPNV mit attraktiven Bündelangeboten aus Car-Sharing und Netztickets waren nur begrenzt erfolgreich und haben nicht spürbar.

Die kollektive Dummheit der Gesamtgruppe der KFZ-Besitzenden und KFZ-Nutzenden führt offensichtlich nicht zu substantiellen Verhaltensänderungen im notwendigen Maß, um sowohl die Frage nach der Gestaltung positiver und lebenswerter Stadträume zu ermöglichen, als auch die CO2-Eintrag des Individualverkehrs zu verringern. Dafür werden Einschnitte unumgänglich sein, die KFZ-Nutzern schmerzlich spürbar werden.

Vorhandene Anreizsysteme

  • Pendlerparkplätze für Fahrgemeinschaften
  • Kaufsubvention für schnelleren Generationswechsel
  • Kaufsubvention für E-Fahrzeuge
  • Kaufsubvention für E-Bikes / Lastenräder

Denkbare Anreizsysteme

  • Erhöhung der KFZ-Steuer mit dem Ziel größerer Steuerungswirkung und Einbeziehung neuer Faktoren z.B. Fahrzeuggröße und Gewicht
  • Bevorzugung von Fahrgemeinschaften in der Verkehrsführung (Umweltspuren/Pendlerspuren)
  • Stillegungsprämien für die Außerbetriebsetzung und Verschrottung ohne Ersatz
  • Herstellung von Zeitgerechtigkeit an den Ampeln – Ampelphasen für alle Teilnehmer gleich lang
  • Herstellung von Flächengerechtigkeit in der Verkehrsführung – mehr Platz für Fuß- und Radverkehr
  • Stadtplanung mit dem Ziel KFZ aus Stadtzentren herauszuhalten
  • Generelles Tempolimit von 30km/h in geschlossenen Ortschaften
  • City-Maut
  • City-Zufahrt nur mit lokal emissionsfreien Fahrzeugen

Das alles muß natürlich das Ziel haben, den privaten KFZ-Verkehr unattraktiver zu machen. Es MUSS teurer werden und es MUSS langsamer werden.

Rationierung

Es ist das böse Wort des Sozialismus. Aber es wird vermutlich nicht ohne Rationierung von Ressourcen gehen. Und es ist vermutlich wie immer im Detail eine Frage, wie es ausgestaltet wird, aber da eine Verhaltensänderung über Anreizsysteme Positiv wie Negativ nicht im Ansatz schnell genug ablaufen wird, muß man über die Rationierung von Ressourcen nachdenken. Bislang sind viele dieser Ressourcen, die eigentlich in die „Allmende“, ins Gemeinschaftseigentum fallen, schleichend dem KFZ zugeordnet worden. Das sollte auch im Sinne einer Gerechtigkeitsfrage neu gelöst werden.

  • Treibstoffzuteilung mit jährlich fallendem Kontingent bis auf Null in 5 Jahren für das Ende des Verbrennungsmotors
  • Limitierung der Anzahl der Tickets für die City Maut.
  • Abschaffung öffentlicher Parkplätze am Straßenrand. Wer ein KFZ zulässt, muß einen privat finanzierten Stellplatz nachweisen
  • Limitierung der Zulassungen pro Stadt/Landkreis. Die Berechtigungen für eine KFZ-Zulassung sind handelbar.

Wer jetzt darüber weint, das damit Geringverdiener soziale Härten erleiden werden: Sorgt einfach dafür, das es keine Notwendigkeit gibt ein individuelles KFZ zu benutzen. Das ist Aufgabe der Politik: sorgt einfach dafür, das die Alternativen BESSER sind als ein individuelles KFZ zu benutzen. Schneller, billiger und flexibler.

Die Auto-Lotterie

Wenn man sich vornimmt, die Zahl der Autos in den kommenden 5 Jahren auf, sagen wir, 20% des heutigen Bestands zu verringern, ist klar das es nicht auf freiwilliger Basis und mit Anreizsystemen funktionieren wird. Ich könnte mir z.B. folgendes vorstellen:

Jedes Jahr verlost die Stadt unter den KFZ-Haltern Stillegungsprämien. Damit wird die Berechtigung zur Zulassung des KFZ entzogen und mit der Prämie entschädigt. Es wird ein Marktplatz etabliert, auf dem Menschen ihre Berechtigung zum Betrieb eines KFZ handeln können, d.h. wer es freiwillig aufgibt kann seine KFZ-Aufgabe monetarisieren und die Berechtigung weitergeben an jemanden, der es dringender braucht oder möchte.

Berechtigungen die aufgegeben werden, fallen zurück an die Stadt und werden unter den Bürgern verlost, die keine haben. Wer keine braucht, kann sie verkaufen und damit einen kleinen Gewinn aus dieser Lotterie realisieren.

Die Zahl der Zugelassenen Autos in der Stadt kann damit gezielt gesteuert werden um die Lebensqualität in der Stadt zu maximieren.

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