Organisations-Reverse-Engineering

oder wie Mitarbeiter ihre Zeit damit vertüddeln zu verstehen, wie ihr Unternehmen eigentlich funktioniert.

„Ich habe keine Ahnung“ ist eine Antwort, die ich häufig von meinen Kollegen und Ansprechpartnern in Konzernen bekomme, wenn ich danach Frage wie X oder Y funktioniert. Wie bestelle ich einen großen Monitor oder ein VC-System für den Teamraum? Wie können wir zwei überflüssige Schreibtische entsorgen lassen? Wie bekommen wir einen permanenten Teamraum, statt untauglicher Meetingräume? Mit wem müssen wir reden, wenn wir im Rahmen unseres Projektes einen Prozess ändern wollen, an dem wir andocken oder zu dem wir beitragen?

Dieser Effekt begegnet mir immer wieder. In verschiedenen Branchen. In verschiedenen Ebenen. In Bereichen, die das Arbeitsumfeld unmittelbar betreffen, von Beschaffungen, Einrichtung, und grundlegenden und eigentlich simplen Bedürfnissen.

Für den Alltag der Kollegen hat das leider auf allen Ebenen unerfreuliche Konsequenzen. Sobald sich etwas verändern soll, findet sich niemand, der simple Fragen zur Verantwortung oder dem „richtigen“ Vorgehen beantworten kann. In dem natürlichen Bemühen es richtig zu machen wird dann mehr oder weniger Zeit investiert, um herauszufinden ob und wie das gewünschte Ziel zu erreichen ist. Oder anders formuliert: die Mitarbeiter des Konzerns „reverse-engineeren“ die Abläufe, um herauszubekommen wie sie zum Ziel kommen. Und wenn es immer weniger „operative Routine“ gibt, wie in Projektgetriebenen Organisationen üblich, dann verbringen sie mitunter auch die Hälfte ihrer Arbeitszeit damit, solches organisatorisches Reverseengineering zu betreiben. Die Zeiten, in denen eine Sekretärin als „gute Seele“ Bescheid wusste, oder eben der nächste Vorgesetzte erklären konnte wie es richtig geht, sind lange vorbei.

Ich postuliere: Der Verlust an Wissen über die Prozesse mit seinen Konsequenzen frisst alle Effizienzgewinne durch zentrale Lösungen (Prozesse/Tools) restlos auf.

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